Schon vor gut 500 Jahren am Ende des 15.Jahrhunderts beschreibt der Ulmer Dominikaner Felix Fabri die auf Blaubeurer Markung liegende "Sirgensteinhöhle" und interpretiert sie als Wohnstätte eines "ungeheuerlichen Zyklopen". Er berichtet dort auch von ersten Grabungen nach Schätzen, die aber die Obrigkeit unterband. Immer wieder wurden danach tatsächlich in den Höhlen, deren Füllungen als Dünger auf die nahe liegenden Felder gebracht worden sind, auch gewaltige Knochen gefunden. Erst um 1870 begann die systematische Suche nach den unterdessen erkannten eiszeitlichen Tierresten auch auf der Alb; sie beschränkte sich aber zunächst auf den besonders fundreichen "Hohlen Felsen" gegenüber dem "Sirgenstein" auf der anderen Achtalseite und auf Schelklinger Gemarkung und erbrachte erstmals Spuren früher Menschen.

Doch schon 1906 grub der junge R.R.Schmidt (1882-1950) von der Universität Tübingen wieder mit grossem Erfolg im "Sirgenstein", wo er eine Fundfolge über gut 50 000 Jahre von der späteren Neandertalerzeit bis zum Ende der Eiszeit erfassen und mit den unterdessen in Frankreich definierten altsteinzeitlichen Epochen vom Mousterien über das Aurignacien bis zum Magdalénien verbinden konnte. Bis zur Entdeckung des "Vogelherdes" im nahen Lonetal 1931 durch Gustav Riek (1900-1976), ebenfalls an der Universität Tübingen, blieb die Stratigraphie im "Sirgenstein" die längste dokumentierte archäologische Abfolge in einer Höhle in Mitteleuropa.

Im Raum Blaubeuren ruhte erneut für ein halbes Jahrhundert die altsteinzeitliche Höhlenforschung. Erst 1955 bis 1963 nahm sie Prof. Riek wieder in der "Brillenhöhle" auf, die vor allem Funde aus der Periode des Gravettien kurz vor der kältesten Phase der letzten Eiszeit und aus dem späteren Magdalénien am Ende der Eiszeit enthielt und damit die bekannte Abfolge im "Sirgenstein" ergänzte. 1959 bis 1964 grub er das reiche - nun wieder neandertalerzeitliche - Material in der "Grossen Grotte" und sondierte 1958 erstmals im "Geissenklösterle". Dazu kamen erste Probegrabungen wieder am "Hohlen Felsen" im "Helga Abri", wo auch späteste Eiszeitfunde und Spuren nacheiszeitlicher mesolithischer Jäger angetroffen waren. Damit war der ungewöhnliche Reichtum an schon durch Grabungen erschlossenen Fundstellen erfasst, der die Gemarkung Blaubeuren mit Ach- und Blautal schon um 1960 zu einer der wichtigsten Regionen mit Spuren eiszeitlicher Jäger machte - inzwischen bestätigt durch die Grabungen im "Geissenklösterle" mit seinen wichtigen frühesten Kunstgegenständen. Aber bereits um 1960 war es möglich, die vielfältigen bis dahin um Blaubeuren nachweisbaren altsteinzeitlichen Sequenzen mit den nahen Abfolgen bei Schelklingen und im Lonetal, die sie ebenfalls ergänzen und verdichten, in grösseren regional-urgeschichtlichen Bildern deutlicher zusammenzufassen. Damit werden schon für die kühleren Phasen der Neandertalerzeit zwei benachbarte Talschaften in der Alb nördlich der Oberen Donau ökonomisch und ökologisch vorstellbar.

So lag schliesslich der Gedanke nahe, die Grabungsergebnisse auch fundortnah der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Prof Riek, Ordinarius am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen, tat dies 1964 in einem "Einzimmer-Museum" in einem Seitenflügel des "Spittel". Dieses "Spital zum Heiligen Geist" ist die Stiftung eines frommen Bürgers aus dem Mittelalter (www.blaubeuren.de). Zu Beginn der 70-er Jahre konnte dieses zunächst bescheidene erste Museum durch Rieks Nachfolger, Prof. Hansjürgen Müller-Beck, mit modernen didaktischen Mitteln ausgebaut werden. Als dann aus diesem Seitenflügel wenig später der städtische Kindergarten in einen Neubau umzog, ergriff der neue Museumschef die Gelegenheit beim Schopf. Unter durch zwei Landesministerien abgesegneter vertraglicher Regelung der Zusammenarbeit zwischen der Uni Tübingen und der Stadt Blaubeuren, und wieder unter Einbeziehung der neuesten Forschungsergebnisse konnte das "Urgeschichtliche Museum" nach intensiver Vorplanung nochmals vergrössert, gänzlich neugestaltet und didaktisch erheblich verbessert werden.

Engagierte Bürger (z.B. der Lions Club Blaubeuren-Laichingen mit seinem alljährlichen "Höhlenwandertag") und vor allem auch die Mitarbeiter des Museums taten das Ihrige dazu, um die Urgeschichte noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. U.a. betrieben Prof. Müller-Beck, Prof. Joachim Hahn (seine Grabungen und Forschungsergebnisse waren wegweisend für die steinzeitliche Archäologie in unserer Region) und Anne Scheer (die langjährige Museumsleiterin) die Gründung eines Freundeskreises, der schliesslich 1988 als "Gesellschaft für Urgeschichte" ins Vereinsregister eingetragen wurde. Die GfU soll allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich näher mit der Urgeschichte allgemein wie auch der unseres Raumes auseinanderzusetzen, und ausserdem dem Museum - wenn auch im bescheidenem Rahmen - zusätzliche finanzielle oder sonstwie tatkräftige Unterstützung bieten. z.B.

  • konnte 1989 mit Hilfe von Sponsoren die "Achtalhütte" im Blaubeurer Ortsteil Weiler erworben werden, die als Grabungshaus für Grabungsteams und Fundauswertung für die Uni Tübingen zur Verfügung stand.
    Nach langen Jahren der Nutzung als Basislager während der sommerlichen Ausgrabungs-Campagnen wurde die Achtalhütte im Jahre 2011 verkauft, da die Unterbringung der Ausgräber im Nebengebäude des URMU in Blaubeuren fortan möglich wurde.
    Der Verkaufserlös ging an die Stiftung Urgeschichtliches Museum
  • veranstaltet die GfU seit 1990 einen familienfreundlichen "Tag der offenen Höhle". Am Fusse einer der interessantesten Höhlen finden Mitmach-Aktionen statt wie Speerschleudern, Pfeil- und Bogen-Schiessen, Steinklingenschlagen, Stockbrotbacken, Rentiersteaks grillen, abgerundet durch Bücherverkauf, Verpflegung und eine Tombola, vor allem aber durch Führungen und sachkundige Erläuterungen zu den Ausgrabungen in der Höhle.


Mitglieder der GfU (derzeit 390 ) sind Archäologen ("fertige" und noch studierende) genauso wie interessierte Laien. Sie kommen aus ganz Deutschland, aber auch weit darüber hinaus.

Die GfU bietet Vorträge, Seminare, Ein- und Mehrtages-Exkursionen (teilweise mit Besichtigung von sonst für die Öffentlichkeit geschlossenen Höhlen und Fundstellen), Grabungsführungen, und auch die Möglichkeit, an Ausgrabungen oder Fundauswertungen selbst mitzuwirken

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MG 30.10.15