Bild zu Die GfU trauert um Prof. Müller-Beck Am 2. August 2018 ist

Herr Professor Dr. Hansjürgen Müller-Beck

im Alter von 90 Jahren in Bern verstorben.

Von 1969 bis 1995 hatte er den Lehrstuhl für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen inne und war wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren (URMU), damals in der Trägerschaft der Stadt Blaubeuren und heute in der der Stiftung. Er förderte unter vielem Anderem die Forschungsarbeit im Aachtal, einem Teil des heutigen UNESCO-Welterbegebietes. Seine Forscherpersönlichkeit wurde international sehr geachtet. Mit seiner menschlichen Haltung und seiner Vermittlung der Urgeschichte als Universalgeschichte wurde er von allen Beteiligten sehr geschätzt.

Eine erste Eiszeitkunstausstellung wurde von ihm 1992 entwickelt. Im URMU konzipierte er bis 1984 eine neue Dauerausstellung und legte damit den Grundstein für ein Forschungsmuseum, das heute Schwerpunktmuseum für Urgeschichte des Landes Baden-Württemberg ist. Die Stadt Blaubeuren verlieh ihm in Würdigung seiner Verdienste um die Stadt 1995 ihre Ehrenmedaille.

Auf seine Anregung wurde 1988 die Gesellschaft für Urgeschichte (GfU) gegründet, die auch Förderverein des URMU ist. Deren Vorsitzender war er von 1997 - 2004. Die GfU fördert die Wissenschaft, vermittelt deren Ergebnisse und führt Interessierte an die Steinzeitforschung heran.

Wir verlieren einen großen Wissenschaftler und großartigen Vermittler der Urgeschichte. Seiner Familie gilt unser Mitgefühl. Wir werden ihn in dankbarer und ehrender Erinnerung behalten.
 
Bild zu 26. Juli 2018 Ritzungen auf Mammutrippe aus Welterbe-Höhle geben Rätsel auf

Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen seltenen Knochenfund –
Markierungen lassen eine Nutzung als Informationsträger annehmen

Schon vor mehr als 30.000 Jahren nutzten Menschen die Rippenknochen großer Tiere als Werkzeug – etwa zum Walken von Leder. Da große fetthaltige Knochen aber auch ein guter Ersatz für das in der Eiszeit knappe Brennholz waren, sind solch große Knochen aus dieser Zeit relativ selten erhalten geblieben. Wie Professor Nicholas Conard, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, und seine Grabungsmannschaft nun im heute erschienenen Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg“ berichten, wurde in der Welterbe-Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb ein Fund geborgen, der neue Interpretationen über die Nutzung solcher Knochen in der Altsteinzeit ermöglicht.

Professor Conard präsentierte den eindrucksvollen Fund am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu), dessen wissenschaftlicher Direktor Conard ist. Es handelt sich um die Rippe eines Mammuts, die in der Wohnhöhle der Altsteinzeit in den Schichten aus der sogenannten Gravettien-Periode gefunden wurde und somit zwischen 35.000 und 30.000 Jahre alt ist. Das Stück ist 44 Zentimeter lang, bei einer Breite von 5,1 Zentimetern und einer Dicke von 2,1 Zentimetern. Außergewöhnlich sind die Spuren der Bearbeitung, der Nutzung und die Markierungen darauf. Die Enden wurden abgerundet bzw. abgebrochen. Ganz besonders auffällig ist die dickere Kante der Rippe: Sie weist zwei Reihen von Markierungen auf. Eine zeigt 83 und die andere 90 Striche. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf. All diese Markierungen sind sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.

„Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaߓ, sagt Professor Conard, „obwohl viele gravettienzeitliche Funde Markierungen tragen, sind Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten. Auch in anderen Regionen der Welt gibt es keine optimalen Vergleichsfunde. Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente.“ Genau lasse sich nicht sagen, welche Art von Information hier festgehalten wurde. Die Ausgräber vermuten, dass etwas gezählt wurde. „Aber es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging“, sagt Conard weiter, „eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System. Wir werden uns künftig näher mit diesen Fragen auseinandersetzen.“