Die Termine für 2012 werden nach Festlegung an dieser Stelle bekannt gegeben.Bis dahin bitten wir um Geduld
PressemitteilungAm Dienstag, 6. September 2011 überreichte die GfU einen Scheck über 100 000 EUR an die Stiftung für das Urgeschichtliche Museum in Blaubeuren.
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2-Tages-Exkursion LonetalAm Wochenende, 15.+16.Oktober 2011 findet die Lonetal-Exkursion der GfU statt. Als Wanderer und per Fahrrad werden je nach Wetterlage sämtliche urgeschichtlichen Höhlenfundstellen vom Fohlenhaus bis zur Vogelherdhöhle erkundet.
Tag der offenen Höhle 2011Am Sonntag, 11. September findet wie jedes Jahr das große Hauptereignis der Gesellschaft für Urgeschichte statt.
Das ausführliche Programm sehen Sie unter ...
Bericht von der Jahresexkursion der GfU nach Nord-Burgund vom 25. bis 29. Mai 2010Diese Exkursion war geprägt von vielfältigen, abwechslungsreichen Themen zwischen den vermutlich ältesten Höhlenmalereien von Arcy-sur-Cure und der burgundischen Romanik der Kirchen des 12. Jahrhunderts.
Am Pfingstdienstag saßen 24 erwartungsvolle GfU-Mitglieder im Bus von Auto-Mann, mit einem Sachsen am Steuer. Über Echterdingen mit Zustieg weiterer 4 Mitfahrer fuhren wir zum Grunzübergang südlich von Freiburg. Zur Mittagszeit sahen wir die Festung von Belfort. Frankreich empfing uns mit wolkenlosem Sonnenwetter. An Besancon vorbei durch bergiges, waldreiches Land verließen wir nach Beaune die Autobahn und erreichten unser Standquartier Saulieu im Departement Côte d’Or. Saulieu liegt an der Fernstraße N6 nordwestlich von Beaune im Schnittpunkt der 4 nordburgundischen Departements: Yonne, Côte d’Or, Saone-et-Loire und Nièvre.
Der zweite Tag begann mit einer Fahrt nach Süden durch die bewegte Landschaft des Movan. Das geologische Gebiet des herzynischen Sockels besteht aus Graniten und Gneisen und deren Verwitterungsprodukten. Die Besiedelung ist dünn. Die Höhen erreichen 900 m NN, entsprechend hoch sind die Niederschläge. Stichworte zur Bewirtschaftung: ehemalige Holzlieferung für Paris, Viehzucht z.B. weiße Charolais-Rinder. Wiesen – wie auch alle Geländegrenzen – sind durch Hecken oder Gestrüpplinien in die Landschaft gezeichnet, Ginster liefert die gelben Farbkleckse.
Wir fuhren in die Keltische Zeit um 200 v.Chr. zum gallo-keltischen Oppidum de Bibracte am Mt. Beuvray. Steil führt der Weg mit dem Bus durch ein mächtiges, von starken, hohen Steinwänden flankiertes Tor zum Plateau (820 m NN) des Mt. Beuvray. Die Führung übernimmt „Christiane“.
Die Häduer-Stadt wurde um 1860 entdeckt und die Grabungen hier oben von Napoleon III. gefördert. Dieser Ort ist 120 km von Alesia entfernt. Die Höhensiedlung gilt als das europäische Zentrum für Keltische Kultur. Der Mt. Beuvray ist der Grenzberg nach Süden mit der Möglichkeit des Blicks zum Mt. Blanc. Auf der Höhe standt auch ein römischer Tempel. Im Fundbereich überwiegt die Holzbebauung. Es gibt Stadtviertel. Eisen und Metallverarbeitung ist stark vertreten, was auf Grund der Eisenvorkommen in der weiteren Umgebung nicht überrascht. Bauern waren außerhalb dieser Stadtviertel angesiedelt. Es ist die Grenzregion des Übergangs von der keltischen zur gallo-römischen Kultur. 200 v.Chr. wurden Verträge zwischen den Häduern und Rom geschlossen.
Zu Fuß auf dem Weg zurück hinunter zum Museum erfuhren wir vom Mauerring rund um den Berg und von Caesars Nennung als Hauptstadt der Häduer mit 8 – 15 Tsd. Einwohnern. Unter der Granitverwitterung der Bergkuppe sind mehrere Quellen, in geschichtlicher Zeit gefasst, vorhanden. Werkstätten sind und werden noch ausgegraben. Mit der Gründung von Autun etwa 15 v.Chr. endet diese Höhensiedlung. Ab dieser Zeit setzte eine Pilgertätigkeit ein, die bis ins Mittelalter anhielt. Danach folgten Prozessionen, Viehmärkte und in heutiger Zeit wird Martin von Tours verehrt.
Auf halber Höhe erreichten wir eine Klostereinsiedelei, ein früheres Zentrum. Die Siedlung mit einem keltischen Holzhaus aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert existierte von etwa 100 v. bis 50 n.Chr. und später bis zum Befreiungskrieg gegen die Römer 52 – 59 n.Chr. Zur Mittagszeit weilten wir noch ausgiebig im zugehörigen „Le Musée de la civilisation celtique“ unterhalb des Eingangstores zum Oppidum, abseits der großen Wege mitten im Wald gelegen.
Ein kurzer Gewitterguss empfing uns in Autun, das römische Augustodunum, mit Wehrtürmen, einer verputzten 11 m hohen römischen Stadtmauer, mit 2 erhaltenen von 4 ehemaligen Toren. Eine Stadt am Hang. Wir besuchten die Chathedrale St.-Lazare aus dem 12.Jh. mit ihren berühmten Kapitellen, ausgestellt im ehemaligen Kapitelsaal aus dem 16. Jh. Im Musée Rolin betrachteten wir Funde aus römischer Zeit, Mosaiken und z.B. einen Rest des romanischen Nordportals von St.-Lazare mit „Eva im Paradies“. Die Größe und Ausstattung der römischen Stadt war mit Trier zu vergleichen. Wir fuhren entlang der alten Stadtmauer und des Grabens abwärts auf die andre Seite des Flusses Arroux, einem Nebenfluss der Seine. Dort steht auf einer Wiesenfläche der etwa 23 m hohe Rest des sogenannten Janus-Tempels aus dem 1.Jh. n. Chr. Der Name ist eine Falschinterpretation und kann von einer Flurbezeichnung (auf deutsch: Ginster) oder von einem gallo-römischen Fanum-Tempel („profan“) kommen. Es ist der Rest eines quadratisch zentralen Gebäudes in einer großen Anlage mit Theater und anderen Strukturen. Die Besichtigung endete mit einem Besuch des Théâtre Romain, das römische Amphitheater entlang der früheren Stadtmauer, entstanden etwa 70 n.Ch. und bis zu 15 000 Personen fassend, das größte in Gallien. Der letzte Halt in Autun galt dem Stadttor „Pforte d’Arroux“ in heller Abendsonne leuchtend. Von hier aus führte uns der Weg direkt nach Saulieu. Des Tages Quintessenz in Worten von Prof. Floss ins Mikrofon des Busses gesprochen: „Wenn einem Vorgeschichtler ein römischer Tag so kurzweilig vorkommt, muss es gut gewesen sein“.
In den 3. Tag starteten wir bei kühl-windigem Schauerwetter (13°) über Avallon nach Arcy-sur-Cure. Dort liegt am Talhang der Eingang zur urgeschichtlich interessanten Grotte mit Höhlenmalerei. Sie liegt im Jura-Kalksteinmassiv. An dieser Stelle im Tal sind viele Höhlen wie an einer Perlenkette aufgereiht. 20 Fundstellen wurden erwähnt. Die besuchte Höhle, sie ist keine Siedlungshöhle, birgt Malereien aus der Zeit der letzten Neandertaler, die ganz speziell uns im hinteren abgesperrten Abschnitt zugänglich gemacht wurden. Es sind wahrscheinlich die ältesten bekannten Malereien.
Verwendet wurden rote und schwarze Farben. Große Flächen sind unter Calcitüberzug verborgen. 1 Vogel war zu erkennen. Der größte Teil der Wände im vorderen Teil der Höhle ist „gekärchert“, d.h. der Calcit- und Rußüberzug wurde mit „Hochdruck“ gereinigt bis zum blanken Fels.
Nur wenige Meter weiter im Tal traf unsere Gruppe auf eine aktive Grabung. Prof. Floss machte für uns eine Besichtigung möglich. Ein amerikanischer Archäologe suchte und fand wichtige Neandertaler-Spuren. Die untersuchten Schichten werden der Zeit des Musterien zugeordnet, der Spätzeit der Neandertaler mit Kiefer- und Zähnefund. In dieser (so genannt) „Reihenhaussiedlung“ sind 3 dieser Höhlen wichtig. In einer Höhle waren Spuren eines hineingebauten Hauses zu erkennen. Diese alte Ansiedlung ist einer der wichtigsten Orte und die nördliche Grenze in Frankreich mit Höhlenmalerei.
Am frühen Nachmittag fuhren wir nach Süden weiter in die auf einem Berg gelegene Stadt Vezelay. Über eine „Zugbrücke“ mit Tor und einer nebenan sich befindenden Kirche betraten wir die alte, ummauerte Stadt aus romanischer Zeit. Steil geht der Weg nach oben zur Basilika Ste.-Marie-Madeleine, heute in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Auf eine karolingische Vorgängerkirche folgte ein groß angelegter romanischer Neubau mit einer ersten Weihe 1104.1140 gilt als Jahr der Vollendung. Teile der Fassade stammen aus dem 14. und 19. Jh., letztere weil die Kirche einsturzgefährdet war. Ein altes Mitras-Heiligtum soll rechts neben der Kirche gelegen sein. Der kirchliche Besitz umfasste im 10. Jh. 200 qkm.
Wir wurden noch darauf aufmerksam gemacht, die Eingänge vieler alter Häuser von Vezelay zu beachten: 2 Kellereingänge zur Straße – einen Wein- und einen Gewölbe-Pilgerkeller. Dieser war für die Unterbringung der Jakobspilger vorgesehen.
Es folgte ein steiler Abstieg zur Straße nach Saint-Père-sous-Vézelay und ein Gang durch den Ort zum Bus. Mit der Fahrt zu den „Fontaines Salées gelangten wir in die römische Zeit, In einer ausgedehnten Badeanlage wurden Salzwasserquellen genutzt. Zum Ende des Nachmittags fuhren wir nach St.-Père zurück und besichtigten im dortigen Museum Funde aus dem Areal der Salzquellen. Zur Rückfahrt nach Saulieu traf ein heiteres Wetter unsere ebensolche Stimmung.
Der vorletzte Tag war zunächst Frankreichs Held Vercingetorix gewidmet. Wir fuhren von Saulieu nordwestlich nach Alise-St.-Reine (Alesia). Mit einer Führerin wanderten wir über die Höhenfestung und wurden über die Topografie der Umgebung informiert. Dort waren Caesars Truppen rings herum in Stellung gegangen und bauten Belagerungsringe. Während der Belagerung durch die Römer befahl der Gallische Heerführer Vercingetorix, dass Frauen und Kinder sich zwischen den Belagerungsringen aufzuhalten haben. Dabei nahm er billigend in Kauf, dass dieselben zwischen der Verteidigungs- und Angriffsfront hilflos verdursteten und verhungerten. Unsere Gästeführerin rückte das heldenhafte Bild von Vercingetorix etwas zurecht und nahm ihm ein Stück von seinem „Heiligenschein“ weg. Diesen Schein gab Napoleon III. „dem Helden“ mit der Errichtung eines überdimensionalen Denkmals auf einer benachbarten Höhe wieder zurück. Unter Napoleon III. Anregung wurden die ersten Alesia-Forschungen getätigt.
Der Bus brachte uns anschließend nach Châtillon-sur-Seine im Norden des Departement Côte d’Or. Vom Musée du Châtillonais aus konnten wir die Zeit bis zur Führung zum „ Schatz von Vix“ z.B. mit einem Spaziergang in die brückenreiche, saubere Kleinstadt am Oberlauf der Seine verbringen.
Die Führung im Museum mit dem Höhepunkt „Trésor de Vix“ erfolgte ausführlich über 3 Stockwerke, vorbei an zeitgeschichtlichen Informationen, Funden, Bildern und Grabbeigaben, auch einer Nachbildung der Fundkammer. Die Krönung ist eine Vitrine mit einem kleinen Podest davor für einen Blick in das 164 cm hohe und 208,6 kg schwere vasenförmige Gefäß, das 1100 l fasst. Dieser Kessel ist das einzige Fundstück dieser Größe weltweit, 1953 in einem keltischen Grab auf dem Mont Lassois wenige Kilometer nördlich von Châtillon gefunden und wird auf etwa 525 v.Chr. datiert. Im Grab dieser etwa 30 Jahre alten Fürstin stand auch ein Begräbniswagen. Sie trug u.a. einen 480 gr. schweren Goldring um den Hals, darauf eine Pferde- und Löwenpranken-Verzierung ist.
Die Herstellung des Kessels versetzte uns in Staunen, ist dieses Objekt doch in einem Stück, 1 mm stark, gegossen (Fuß, Fries, Griff, Form), wobei die Gussform eine verlorene Form gewesen sein muss. Dieser Kessel ist also ein Unikat, mit 23 aufgenieteten, verschiedenen Frieselementen. Dazu gehört, in einer Wandvitrine aufgestellt, ein Siebeinsatz, um den gewürzten Wein abzuseihen.
Als letztes Exkursionsziel dieses Tages war ein Aufenthalt in der abgelegenen, beeindruckend kompletten Zisterzienser-Abtei von Fontenay in der Nähe von Montbard. Heute Weltkulturerbe im Privatbesitz einer Papierfabrikanten-Familie, 1906 zur Erhaltung gekauft und derzeit in der 5.Generation weiter gepflegt.
Das Kloster wurde 1118 von Bernhard von Clairvaux gegründet. 1149 ist die Basilika, erbaut in einfacher Gestaltung nach der Benediktiner-Regel, geweiht worden. Der Reichtum der Abtei war begründet mit dem natürlichen Vorkommen von Wasser, Holz, Stein und Eisenerz. Im Mittelalter war dieses Gebiet das Jagdrevier der Herzöge von Burgund, daher auch das Haus des Hundemeisters und ein großer Hundezwinger innerhalb der Klostermauern. Erste Verzierungen im 13. Jh. zeigen eine leichte Auflösung der Klosterregeln an. Das Dormitorium ist als Halle erhalten und in anderen beheizbaren Gebäuden sind noch Kamine aus dem 12. Jh. vorhanden. Zum Abschluss des Rundganges gingen wir durch das hohe Gebäude (12. Jh.) der Schmiede am Bach. Die Mönche verarbeiteten hier das Erz eines nahen Bergwerkes. Weitgehend ausgeräumt, sind heute darin u.a. Werkstätten zur Eisenverarbeitung untergebracht.
Auch am letzten Tag in Burgund und auf dem Heimweg hatten wir die Gelegenheit die alte Stadt Beaune in 90 Minuten zu besichtigen. Vom Parkplatz am alten Graben aus erlebten wir eine beeindruckende, lebhafte Stadt mit einem sehr gut besuchten Markt mit vielfältigen, reichhaltigen Angeboten und eine gedrängt volle Markthalle daneben. Die engen Straßen der Innenstadt forderten unsere Orientierung heraus. Da ist der „Palast der Armen“ (Hôtel Dieu), ein beeindruckender Gebäudekomplex der burgundisch-flämischen Gotik mit seinen vielen verschiedenen Räumen, das Haus des Weines, die Kirche Notre-Dame aus dem 12. Jh. mit ihrem mehrfach veränderten heutigen Aussehen und die gut erhaltene Stadtmauer aus dem 15./16. Jh.
Die Rückfahrt erfolgte über die elsässische Rheinseite. Vor Straßburg überquerten wir den Rhein. Die Ersten unserer Reisegruppe verabschiedeten sich in Echterdingen. Eine wie immer excellente, interessante und erlebnisreiche Reise ging am frühen Abend in Blaubeuren zu Ende.
9. April 2011GfU-Tag: morgens Mitgliederversammlung, gemeinsames Mittagessen, nachmittags Führung durch die Flötenausstellung und Vorträge
Gestaltung des Klangraumes in der Galerie des URMUFür die Gestaltung werden wieder freiwillige Helfer aus dem Kreise der GfU gesucht.
Interessierte melden sich bitte bei Frau Dr. Stefanie Kölbl, urmu-blb@web.de
26. und 27. November 2010Nachlassverkauf Haus Rieber
Nur für GfU-Mitglieder oder Freunde, nicht für Gewerbliche!
Nähere Infos im Urgeschichtlichen Museum
25. September 2010, 17 UhrHöhlenkonzert im Hohle Fels - Trommeln mit Christof Haas
Eine Veranstaltung der Museumsgesellschaft Schelklingen e.V.
9. und 10. Oktober 2010Zwei-Tages-Exkursion nach Eichstätt, zu den urgeschichtlichen Fundstellen
im Altmühltal und nach Manching.
In jedem Fall werden wir am Samstag das Jura-Museum in Eichstätt
besuchen und eine Führung zum Archäopteryx erhalten. Am Nachmittag
wollen wir uns die Fossilpräparation anschauen und unter Leitung eines
Präparators und Paläontologen selbst in einen Steinbruch zum Klopfen gehen.
Am Sonntagmorgen möchten wir uns verschiedene urgeschichtliche
Fundstellen im Altmühltal ansehen. Am Nachmittag steht ein Besuch des
Keltenmuseums in Manching auf dem Programm.
12. September 2010 | 10.00 bis 18.00 UhrTag der offenen Höhle am Geißenklösterle
Bewirtung mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Wildschwein-Steaks und Wildschwein-Würsten sowie Höhlenführungen,
Bogen - und Speerschleuderschiessen, Kinderbasteln, Archäologische Vorführungen
27. Juni 2010, 11-17 UhrMuseumsfest rund um die Venus vom Hohle Fels.
Die Bewirtung mit Wildschweinwurst, Kaffee und Kuchen bietet die GfU an.
25., 26. und 27. Mai 2010 | Jeweils 15.00 Uhr bis 16.30 UhrAn jedem Tag findet ein Archäologisches Gespräch statt zu den Schwerpunktthemen:
Venusfiguren, Männerdarstellungen,
Paare in der Eiszeitkunst;
Leitung Dr. Stefanie Kölbl
25. Mai bis 29. Mai 2010Jahres-Eckursion der GfU nach Nord-Burgund unter Leitung von Prof. H.Floss.
Alle Plätze sind ausgebucht.
Bericht von der Jahresexkursion der GfU nach Mitteldeutschland vom 25. bis 30. Mai 2009Von Gerhard Rücklin (Filderstadt)
Schwerpunkte unserer Jahresexkursion waren die Schöninger Speere, das bronzezeitliche Schlachtfeld Tollense und die Himmelsscheibe von Nebra. Herr Kurt Langguth stellte die Kontakte zu den Archäologen vor Ort her, bereitete die Exkursion durch eine eigens hierfür zusammengestellte umfangreiche Exkursionsmappe vor und übernahm die äußerst fachkundige Leitung, wobei seine nette menschliche Art aus den 23 Teilnehmern eine harmonische Gruppe bildete.
Bei unserem ersten Halt führte uns Herr Dr. Steguweit durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte Erlangen mit einer der größten prähistorischen Universitäts-sammlungen Deutschlands. Seit 1914 wurde die Sammlung durch Ankäufe, Schenkungen und eigene Grabungen erweitert und umfasst rund 200.000 Objekte. 1916 wurde ein Fundkomplex von Grabungen Dr. Otto Hausers an klassischen Stationen des Paläolithikums in der Dordogne angekauft. Das Micoquien wurde in Erlangen kreiert, da Dr. Otto Hauser 1916 mit seiner Dissertation zum Thema „La Micoque, Die Kultur einer neuen Diluvialrasse“ promoviert wurde. Bei Grabungen des Instituts in der Sesselfelsgrotte im Altmühltal fand man in den Schichten des Neandertalers Knochen von einem 8-monatigen Fötus. Wir haben also den Beleg, dass die Neandertaler den Leichnam in einem Grab bestatteten, denn bei der Lagerung an der Oberfläche wären auch die wenigen Hartteile eines so zarten Wesens schnell vergangen. Nur noch aus dem Abri La Ferrassie in der Dordogne kennt man Grabgruben von Neandertalerkindern und -föten und somit Bestattungen .
Die Steinkirche, im Talhang über dem Erholungsort Schwarzfeld/Harz gelegen, ist eine Klufthöhle im Dolomit, welcher vor 270 Millionen Jahren im Zechsteinmeer der Permzeit abgelagert wurde. Seit dem frühen Mittelalter wurde die Höhle zu einer Kirche umgestaltet, wie an der Kanzel, Weihwasserbecken und als Altar gedeuteten Nischen sichtbar ist. Ausmeißelungen am Höhleneingang weisen auf eine Torkonstruktion hin, nach der Legende wurde zur Zeit der Kreuzzüge die Höhle in eine Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem verwandelt.
In den Jahren 1925 bis 1928 wurden von Jacob-Friesen Ausgrabungen durchgeführt. Er fand einen mittelalterlichen Friedhof mit 200 Skeletten.
Sensationell war die Entdeckung, dass die Höhle und ihr großer Vorplatz vor 10.000 Jahren, im Magdalenien, Rentierjägern als Rastplatz diente, von dem Rentierherden im Tal beobachtet wurden. Zahlreiche Funde, vor allem Feuersteinwerkzeuge, eine Bratsteinplatte, der Rest einer Knochennähnadel und viele Tierknochen hauptsächlich von Rentieren wurden geborgen.
Im Jahre 1937 sollte das „Ahnenerbe“ der SS ein germanisches Heiligtum mit der Grabstätte des Königs der Sachsen finden. Sie fanden das Skelett einer Frau.
In der Höhle sahen wir Blumen, Kerzen, Teelichter und Räucherstäbchen verteilt. Zum Zeitpunkt heidnischer Feste, hat die Steinkirche heute noch eine magische Anziehungskraft.
In Wolfenbüttel besuchten wir in der ehemaligen Herzoglichen Kanzlei die Ausstellung der Ur-und Frühgeschichte des Braunschweigischen Landesmuseums. Auf einem Rundgang konnten wir die Entwicklung von den altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern über die jungsteinzeitlichen ersten Bauern, die bronzezeitlichen Metallgießer, die eisenzeitlichen Germanen bis zur fränkischen Eroberung des sächsischen Stammesgebietes studieren.
Der Eiszeitgarten des Städtischen Museums Schloss Salder beruht auf Funde der Freilandstation von Salzgitter-Lebenstedt an der Krähenriede, welche im Schloss ausgestellt sind. Alle noch bestehenden Gebäude der ehemaligen Domäne werden für museale Zwecke genutzt.
In der geologischen Abteilung befindet sich ein 4,6 Meter langes vollständiges Ichthyosaurierskelett aus der Unterkreide, welches in einhundert Meter unter Tage im Hangenden eines erzführenden Lagers geborgen wurde. Dieser Fischsaurier aus Salzgitter ist die neue Art Platypterygius hercynicus.
In der Abteilung Ur- und Frühgeschichte sahen wir die Überreste der Jagdstation. In 5 Meter Tiefe fand man Knochen von 86 Rentieren, 17 Mammuten, 8 Wildpferden, 4 Wollnashörnern, Wisent, Riesenhirsch, Höhlenlöwe und vielen Kleinsäugern, sowie Reste von Fischen und sogar Insekten. Schädelfragmente und Artefakte aus Feuerstein stammen vom Neandertaler, der angespitzte Mammutrippen als Werkzeug und Waffenbewehrung benutzte. Besonders eindrucksvoll ist eine geflügelte Knochenspitze aus Mammutknochen.
Vor 50.000 Jahren lagerten die Rentierjäger im bis zu 1 km breiten Urstromtal und warteten auf die Rentierherden, welche im Spätsommer die Gewässer passieren mussten. In Altwasser- und Stillwasserbereichen setzte sich feines mineralisches und organisches Material ab. Diese Mudden enthalten Zeugen der ehemaligen Vegetation in Form von Blättern, Stängeln, Pollen, Sporen, Samen und Früchten von über 90 Pflanzenarten. Die pollenanalytisch nachgewiesenen Gräser und Blütenpflanzen sind die Bestandteile der Grassteppe des Eiszeitgartens, die einen möglichst realen Einblick in die baumlose Kraut- und Zwergstrauchvegetation der letzten Eiszeit vermitteln soll.
Durch die großen Eismassen und einem entsprechend niedrigen Meeresspiegel lag das Jägerlager im Einflussbereich eines kontinentaleren, erheblich trockeneren Klimas als heute. Die Winter waren aufgrund der Trockenheit schneearm. Im Frühling konnte die Schneeschmelze daher schnell erfolgen, was die Vegetationsperiode verlängerte.
Bei der Steppenvegetation mit Gräsern und Kräutern wurde das Graswachstum, durch die überwiegend Gräser fressenden Großsäuger gefördert. Gräser haben ihre Wachstumszone in Wurzelnähe, das Abgrasen zerstört sie nicht, so dass sie sofort nachwachsen können. Viele Pflanzen im Eiszeitgarten sind als Wildgemüse und für Heilzwecke zu verwenden.
Nach der Besichtigung von Goslar und Hildesheim besuchten wir im Roemer- und Pelizaeus-Museum die Ausstellung „Paradiese der Südsee“ mit kostbaren Gegenständen aus Alltag, Religion und Gesellschaft der vielfältigen Kulturen der Südsee zwischen 1880 - 1914.
Diesen ethnologischen Objekten waren die Kunstwerke der Expressionisten Emil Nolde und Max Pechstein gegenüber gestellt, die sich von der Faszination des Ursprünglichen der Südsee einfangen ließen.
Einen ganzen Tag beschäftigten wir uns mit den Speeren von Schöningen. Leider war Herr Dr. Thieme, der Entdecker der Speere, verhindert, aber der jetzige Grabungsleiter Herr Dr. Jordi Serangeli war uns ein kundiger Führer. Zunächst erklärte uns die Kreisarchaeologin Frau Bernatzki im Kultur- und Infozentrum Schöningen anhand von sorgfältig rekonstruierten Hausmodellen die kontinuierliche Besiedelung der Lössgebiete.
Im Heimatmuseum beeindruckte die Bestattung des Bogenschützen von Hoiersdorf aus der Glockenbecherkultur vor 4000 Jahren. Reich, alt und krank, diese Eigenschaften lassen sich ablesen. Die Grabbeigaben vermitteln den Eindruck von Reichtum; sorgfältig gearbeitete Feuersteinspitzen kennzeichnen den Bestatteten als Bogenkrieger, der zur Oberschicht seiner Zeit gehörte. Das Skelett des 50 bis 60 Jahre alten Mannes weist entzündliche Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule und der Kiefergelenke auf, außerdem kirschgroße Abszesse unter den Zähnen.
Besonders bemerkenswert ist ein tiefes Loch im Schienbein, das mit einem stumpfen Gegenstand verursacht wurde und zur Entzündung des Kniegelenks führte. Kallusbildung zeigt, dass der Mensch gepflegt wurde und zunächst die Verletzung überlebte.
Herr Dr. Serangeli führte uns zur Originalfundstelle der Speere im Braunkohletagebau Schöningen südlich von Helmstedt. Fast 150 Meter tief blickten wir in den Tagebau; mächtige Schaufelbagger gruben auf Terrassen Abraum und Braunkohle ab. Vor den heranrückenden Schaufelradbaggern werden seit 1983 durch Dr. Hartmut Thieme Rettungsgrabungen durchgeführt. 10-15 Meter unter der heutigen Geländeoberfläche, in den mächtigen eiszeitlichen Deckschichten werden mehrere Fundplätze aus dem Altpaläolithikum untersucht. Wir stiegen zur Grabungsfläche hinab, dem Fundort des Wildpferd-Jagdlagers mit seinen 8 recht gut erhaltenen Holzspeeren.
Diese haben Längen von 1,80 bis 2,50 m bei einem maximalen Durchmesser von ca. 3 bis 5 cm. Die Speere sind aus Fichte hergestellt, nur einer aus Kiefer. Die Spitzen der Speere sind auf 60 - 80 cm Länge aus der Basis der Stämmchen herausgearbeitet, Der Schwerpunkt liegt im Vorderteil des Schaftes, es handelt sich also um Wurfspeere, die ballistisch bestens ausbalanciert sind. 3 cm dicke Speere wurden aus 30 Jahre alten Fichten geschnitzt. Dieses Wachstum im Zeitlupentempo, die Analyse der Molluskenfunde und Pollendiagramme beweisen frostiges Klima.
Weitere Holzartefakte könnten als Klemmschäfte für Feuersteinstücke gedient haben, wie bei einem Teppichmesser. An beiden Enden angespitzte Fichtenstäbe könnten als um die eigene Achse rotierende Wurfstöcke in Vogelschwärme hinein geworfen worden sein. Die 8 Speere lagen in einer Schlachtabfallzone mit 20 Schädeln von Hengsten, Stuten und Jungtieren von Wildpferden. Die Skelette wiesen alle gleiche Erhaltungsmerkmale und keinen Raubtierverbiss auf. Nach Ansicht von Dr. Thieme erfolgte eine geplante und koordinierte Jagd, bei der vor 400.000 Jahren der Homo erectus im hohen Gras versteckt, aus einer Herde, die zur Tränke am See wollte, 20 Tiere mit dem Wurfspeer erlegte. Von Feuerglut rot gefärbte, etwa ein Meter große Stellen legen nahe, dass die Beute vor Ort durch Räuchern haltbar gemacht wurde. Eine Feuerstelle wurde als Block geborgen und wird naturwissenschaftlich ausgewertet. Diese bisher ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen aus Holz beweisen, dass der Homo erectus nicht primär Aasverwerter, sondern ein äußerst geschickter Jäger war.
Geplant ist ein Erlebniszentrum am Schöninger Tagebau, in dem neben der archäologischen Fundstelle, auch das Treibhausklima und die Umwelt der Mangrovewälder des Eozän berücksichtigt werden sollen. Viele Stockwerke tiefer forschen nämlich Paläontologen in Schichten, die vor 50 Millionen Jahren abgelagert wurden.
Einen ganzen Tag beschäftigten wir uns mit dem bronzezeitlichen Schlachtfeld von Tollense. Im ehemaligen herzoglichen Jagdschloss Willigrad bei Lübsdorf referierte Herr Dr. Detlef Jantzen über die Menschen aus dem Moor, neue Untersuchungen zu den bronzezeitlichen Funden aus dem Tollensetal. Frau Ute Brinker berichtete über die Auswertung der Grabungsbefunde.
Das ausgebreitete Knochenmaterial, welches das große Zimmer des Archäologischen Landesamtes von Mecklenburg-Vorpommern völlig ausfüllte, enthält 1300 Menschenknochen, die mindestens 37 Menschen zugeordnet werden können.
Verletzungsspuren, hauptsächlich Langknochenverletzungen, Oberarmknochen mit Pfeilschussverletzungen, Schädel mit Pfeilspitze, Schädel mit Impressionsfraktur konnten wir schaudernd begutachten. Daneben lag die Tatwaffe aus einer Astgabe, die wie ein Poloschläger zu benutzen war und weitere Nahkampfwaffen aus Holz.
Die Funde erstrecken sich mehr als vier Kilometer entlang des Flusslaufes der kleinen Tollense in 1 m Tiefe. Taucher fanden im letzten Sommer auch am Grund der Tollense menschliche Überreste, die durch die Strömung freigespült wurden.
Naturwissenschaftliche Datierungsverfahren ergaben, dass die Überreste entlang der Tollense alle gleich alt sind. Im Jahre 1320 v. Chr. muss dieses Ereignis stattgefunden haben, also in der Bronzezeit. Wo aber befindet sich das Schlachtfeld? Eine Hypothese geht davon aus, dass ein lokaler Kampfplatz vorhanden war und die Leichen in den Fluss geworfen und dann flussabwärts angeschwemmt wurden. Die andere Hypothese nimmt an, dass der Kampf auf einer großen Fläche erfolgte und die Leichen auf der Kampfstätte liegen blieben.
Diese Frage diskutierten wir am Talabhang der Tollense bei Weltzin. Unseren Führer Dr. Thomas Terberger von der Universität Greifswald trafen wir auf der Burg Klempenow, die zu den ersten adeligen Niederlassungen in der Zeit der deutschen Besiedelung gehört. Am Fundort begrüßte er uns als erste Gruppe und stellte fest "die GfU ist eben der Zeit voraus." Zunächst machte er uns mit der Fundgeschichte im lokalen Bezug bekannt.
Ergibt die schon isolierte verwertbare DNA Hinweise auf Verwandtschaftsverhältnisse? Wo befindet sich das Gräberfeld der Sieger? Handelte es sich um eine überregionale Kampfgruppe, die mit ihrem Tross von Familienangehörigen unterwegs war, um den Fluss als strategisch wichtige Verkehrader zu sichern? Sobald diese Fragen geklärt sind, sollen der GfU die Ergebnisse vor Ort vorgestellt werden.
Auf fünf Etagen im gotischen Stadttor von Neubrandenburg, dem Treptower Tor, erwarteten uns Funde von der ersten menschlichen Besiedlung bis zur deutschen Kolonisation Ostmecklenburgs. Eine Besonderheit ist die doppelköpfige Götterstatue aus spätslawischer Zeit, welche auf der Fischerinsel im Tollensesee geborgen wurde. Dieses Idol aus Eichenholz gibt einen Hinweis auf das slawische Heiligtum Rethra, das am Tollensesee vermutet wird.
In Halle wird seit 2003 die Ausstellung des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte Sachsen-Anhalt sukzessive aufgebaut. Im Fachberaterteam befindet sich Professor Müller-Beck, unser ehemaliger Vorsitzender der GfU. Am Beginn der Ausstellung ist die Fundstelle von Bilzingsleben durch eine Teilreplik der Oberfläche der Fundschichten nachgebildet. Ein Gang durchschneidet diesen Dauerlagerplatz des Homo erectus vor 370.000 Jahren. Dieser älteste Wohnplatz Mitteleuropas weist Reste von Rundhütten und Feuerstellen auf. Teile von Stirn- und Hinterhauptbein wurden in einem frei im Raum schwebenden gläsernen Schädel eingesetzt. Das flachgestreckte Schädeldach, der über der Nase nicht unterbrochene Überaugenwulst und der ausgeprägte Hinterhauptwulst sind eindeutige Merkmale des Homo erectus.
Ein Höhepunkt sind die „Zeichen von Bilzingsleben“ auf dem Schienbeinsplitter eines Elefanten. Strichritzungen zeigen eine regelmäßige parallele Strichfolge von 21 Schnitten. Diese zielgerichtete Darstellung ist das bisher früheste bekannte Dokument von grafisch-kommunikativen Zeichen.
Unsere besondere Aufmerksamkeit galt einem unscheinbaren Klümpchen Birkenrindenpech von Königsaue, welches Abdrücke eines Steines und eines Holzstückes , sowie einen Fingerabdruck aufweist. Da dieser Schäftungskitt mindestens 80.000 Jahre alt ist, handelt es sich um den weltweit einzigen Fingerabdruck eines Neandertalers. Dieses älteste künstliche Produkt wurde durch Verschwelung von zerstampfter Birkenrinde unter Luftabschluss bei einer konstanten Temperatur von zwischen 340 und 400 Grad hergestellt. Eine Reproduktion dieser trockenen Destillation ohne moderne Hilfsmittel ist bisher nicht gelungen.
Beeindruckt standen wir vor dem Urmenschen der Übergangszeit von Homo erectus zum Neandertaler, realistisch rekonstruiert nach 200.000 Jahre alten Skelettresten. In der Pose des „Denkers von Rodin“ stützt der zufrieden nachdenkliche Muskelmann mit verschmitztem Lächeln, seinen Kopf in die Hand.
Der Elefantenschlachtplatz von Gröbern zeigt das fast vollständige Skelett eines ausgewachsenen Waldelefantenbullen mit der unnatürlichen Verlagerung einiger Großknochen und eines Stoßzahnes. Auch 27 Feuersteinabschläge im Knochenbett weisen auf eine Zerlegung durch den Menschen hin. Vor 125.000 Jahren litt das 4,5m hohe Tier an Knochenentzündungen, es suchte zur Linderung die seichte Stelle eines Sees auf und starb. Im warmzeitlichen Klima des letzten Interglazial trat die Verwesung schnell ein. Deshalb wurden vom Neandertaler leicht abtrennbare Fleischteile, etwa am Ober- und Unterschenkel, geholt und die stumpf gewordenen Steinmesser zurückgelassen.
Dann standen wir vor der Bestattung der Schamanin von Bad Dürrenberg. Vor 9000 – 8600 Jahren wurde die 25-35 jährige Frau zusammen mit einem 6-12 Monate alten Kind in mit roten Mineralien durchsetzter Erde beigesetzt. Überreiche Grabbeigaben beweisen eine gesellschaftliche Sonderrolle der Bestatteten. Das Geweih eines Rehbockes ist vermutlich Bestandteil einer Geweihkrone. Schneidezähne von Wildschwein und Wildrind, durchbohrte Keilereckzähne, das Fragment eines Zungenbeines vom Wildschwein dienten als Ziergehänge oder Kleiderbesatz. Die Rekonstruktion gleicht dem Zeremonialornat der Schamanen aus Sibirien. Auf Tätigkeit als Schamanin deutet ein Stück Hämatit, Steinplatten zum Reiben der rituell bedeutsamen Rötelfarbe und ein Knochengriffel für den Farbanstrich. Die Panzer von 3 Sumpfschildkröten können Rasselkörper gewesen sein. Schamanen besitzen die Fähigkeit sich für magische Handlungen in veränderte Bewusstseinszustände zu versetzen. Eine anatomische Grundlage dafür besitzt unsere Schamanin, der erste Halswirbel zeigt eine angeborene Fehlbildung und verengt dadurch die Arterie. Bei entsprechender Kopfhaltung wurde die Blutzufuhr in das Gehirn gedrosselt oder sogar unterbrochen. Passiv könnten dadurch ungewöhnliche Gehirnreaktionen erlebt oder sogar aktiv Bewusstlosigkeit herbeigeführt werden.
Glanzstück war natürlich die Himmelscheibe von Nebra. Das Original wird in einem abgedunkelten Raum so magisch beleuchtet, dass man meinen könnte, sie schwebe. Untersuchungen der Herstellungs- und Benutzungsspuren ergeben eine mehrfache Veränderung dieses Datenspeichers der Bronzezeit. In der 1. Phase waren 32 Sterne vorhanden, 25 sollten allgemein den Sternenhimmel darstellen, vor dem das Siebengestirn der Plejaden deutlich hervortritt. Sichelmond (Neumond) und Vollmond mit den Plejaden stehen jeweils für 2 Daten der Plejadensichtbarkeit am westlichen Himmel, dem 10. März und dem 17. Oktober. Diese Termine zeigen den Beginn und das Ende des bäuerlichen Jahres. In einer 2. Phase wurden die Horizontbögen angebracht. Der rechte Bogen bezeichnet die Sonnenaufgänge, der linke verlorene die Sonnenuntergänge. Man konnte folglich den 21. Juni und den 21. Dezember ablesen.
In der 3. Phase wurde der Goldbogen am unteren Rand angebracht. Dieses Schiff am Horizont, die Himmelsbarke, soll, als vom Menschen erdachtes Symbol, die Reise der Sonne erklären. In einer 4. Phase wurden der Himmelsscheibe am Rande Löcher ein- gestanzt, vielleicht um sie als Standarte zu verwenden.
Anschließend fuhren wir zum Fundort, dem Mittelberg bei Nebra. Am Hang über der Unstrut ist das Besucherzentrum „Arche Nebra“ entstanden. Als Vorbild diente die Sonnenbarke. In der Sonderpräsentation „Codiert für die Ewigkeit“ studierten wir die verschlüsselten Informationen für Außerirdische, welche auf einer goldenen Schallplatte mit der Raumsonde Voyager unser Sonnensystem verlassen hat. Das komplexe astronomische Wissen der Himmelsscheibe wurde uns im Planetarium auf einer beeindruckenden Reise durch das Universum der Bronzezeit begreifbar gemacht In der Dauerpräsentation wird versucht mit Großskulpturen und Inszenierungen Archäologie und Astronomie zu verbinden.
Mit dem Shuttlebus fuhren wir auf den Mittelberg. Die Stelle an der die Scheibe 3600 Jahre im Boden ruhte, markiert eine leicht gekrümmte Scheibe aus Edelstahl. Hier wurde 1999 die Himmelsscheibe, zusammen mit 2 Schwertern, 2 Beilen, 2 Armschienen und einem Meißel durch Raubgräber gefunden und bei der Bergung beschädigt. In einer unglaublichen Kriminalgeschichte konnte der Bronzeschatz sichergestellt und der genaue Fundort ermittelt werden. Das Alter der Scheibe ist nicht zu bestimmen; aber das Alter der Beifunde ergab als Datum der Niederlegung des Bronzeschatzes 1600 vor Christus.
Vom geneigten Aussichtsturm aus laufen Betonstreifen über die Bergkuppe und verweisen auf wichtige Bezugspunkte am Horizont. Diese Linien waren für uns Orientierungshilfen bei der Benutzung der Himmelsscheibe als Sonnenkalender; so geht z.B. die Sonne zur Sommersonnenwende genau hinter dem Brocken im Harz unter.
Das drei Jahrtausende ältere Sonnenobservatorium von Goseck liegt ca. 25km Luftlinie vom Mittelberg entfernt. Wir besuchten zunächst das Informationszentrum in Schloss Goseck, in welchem Auffinden und Ausgrabung der gesamten Kreisgrabenanlage dokumentiert und in familiengerechter Präsentation in die Welt der jungsteinzeitlichen Erbauer eingeführt wird. An der originalen Stelle erfolgte im Jahr 2005 die Rekonstruktion. Die Anlage besteht aus einem kreisförmigen Graben mit rund 71m Durchmesser. In ihrer Innenfläche wurden 3m hohe, eng aneinander gesetzte 1675 Eichenstämme zu zwei Holzpalisadenringe verbaut. Drei aufwändig gestaltete Tore gewähren einen engen Zugang zur Anlage im Norden, Südwesten und Südosten. Archäologischen Funde datierten die Anlage in die Zeit zwischen 5000 und 4800 v. Chr.
Astronomische Berechnungen können nachweisen, dass beim Visieren vom Mittelpunkt der Anlage am 21. Dezember, dem Tag der längsten Nacht, der Untergang der Sonne im Südwesttor beobachtet werden konnte. Am Ende dieser Nacht erwarteten die Menschen die Wiedergeburt des Lichts im Südosttor. Wir haben also eine Ausrichtung der Anlage auf die Wintersonnenwende zu Beginn des 5. Jahrtausend vor Christus.
Dr. Schüler führte uns im Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf. Dort stieß man beim Abbau des reinen Kalkes für die Kalkbrennöfen auf die Spuren der Waldnashornjäger im Ilmtal. Das Wasser der Travertinquellen verästelten sich in einzelne Rinnsale, die ständig ihren Lauf verändernd, kleine Tümpel speisten. Durch Verdunstung des Wassers, Entweichen von Kohlenstoffdioxid wurde Kalk abgesetzt, der Blätter, Moose, Zweige überkrustete und Kalktuffpolster und harte Kalkbänke bildete. Der Travertin wurde so zu einem Konservator des Augenblicks.
An den trockenen Spornen zwischen den Tümpeln legten die Menschen ihre Lagerplätze an. Die Spuren dieser Nashornjäger konnten wir im Steinbruch an einer großen Travertinplatte beobachten. Im Bereich der ehemaligen Feuerstelle mit Holzkohle und verkohlten Knochen finden sich überwiegend Feuersteinabschläge und -geräte, also der Ort der Fertigung von Steingeräten. Insgesamt erforschte man sieben übereinander liegende Brandschichten, die jeweils durch eine ungestörte Travertinschicht getrennt waren. 1925 fand man in einer der Brandschichten die Schädelkalotte einer jungen Frau. Die Datierung liegt bei 230.000 Jahren, also etwas jünger als der Urmensch von Steinheim. Einige Merkmale sprechen für eine neandertaloide Linie, deshalb werden diese Nashornjäger als später Homo erectus oder als Prä-Neandertaler bezeichnet.
Im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar sahen wir an der Rekonstruktion der Totenhütte des Grabhügels von Leubingen über einer Steinpflasterung eine 1,70 m hohe dachartige Holzhütte, deren Dach mit einer Schicht Schilf bedeckt ist. Darüber befindet sich ein 2 m mächtiger Steinmantel. Die Kuppe des Grabhügels mit einer Höhe von 8,5o m enthielt 70 Gräber einer slawischen Dorfgemeinschaft.
In der Totenhütte lag über dem Skelett eines alten Mannes das Skelett eines jungen Mädchens. Neben Werkzeugen und Waffen aus Bronze befand sich ein Kissenstein, eine Unterlage für Metalltreibarbeiten. Der Tote muss also die Kunst der Metallverarbeitung beherrscht haben. Aufwendiger Goldschmuck wird als Statussymbol eines Stammesoberhauptes gedeutet. Das Grab beweist die Herausbildung einer gesellschaftlichen Elite in der Bronzezeit, Dendrochronologische Untersuchungen ergaben für die Totenhütte ein Alter von 3940 Jahre und rückt das Fürstengrab somit in die Nähe der Himmelsscheibe von Nebra.
Keine GfU-Veranstaltung mehr in 2009Bitte schauen Sie im Programm des Urgeschichtlichen Museums nach, dort werden kontinuierlich Archäologische Aktionen angeboten
» Direktlink: www.urmu.de
24. Oktober --> Besuch der Großen Landesausstellung Eiszeitkunst in StuttgartEine kostenlose Busfahrt ab Blaubeuren wird für Mitglieder angeboten
Treffpunkt in Stgt um 10 Uhr
Nachmittags Möglichkeit zum Besuch der Quatna-Ausstellung im Alten Schloß
26. September 2009, 9:30 Uhr: Wir räumen die Schneckenfels-Hütte aus!Zahlreiche Mithelfer gesucht.
Nähere Informationen im Mitarbeiterbrief
13. September 2009: Tag der offenen Höhle am GeißenklösterleBewirtung mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Wildschwein-Steaks und Wildschwein-Würsten und Höhlenführungen,
Bogen - und Speerschleuderschiessen, Kinderbasteln, Archäologische Vorführungen
Mithilfe beim Umbau der Dauerausstellung von Januar-März 2009Liebe GfU Mitglieder (Möbelpacker, Elektriker, Maler, Schreiner und
"Handlanger")
der zeitliche Ablauf sowie auch der Umfang der Umbauarbeiten ist nun festgelegt. In der angehängten Exeltabelle sind Termine und Arbeitsplan dargestellt.
Wir bitten um Mithilfe vieler GfU`ler um die umfangreichen Aufgaben "stemmen" zu können.
Für die einzelnen Gewerke wurden "Verantwortliche" benannt. Bitte setzen sie sich mit mir oder mit den Verantwortlichen direkt in Verbindung, um die Arbeiten abstimmen zu können.
Die zentrale Anlaufstelle ist im UGM. Herr Wiedmann (Tel. 07344-9286 20) koordiniert den Ablauf der Umbaumaßnahmen.
"Es gibt viel zu tun, packen wir es an"
11. Juli 2009: Hüttenpflegetag 10-17 UhrVormittags Speerschleuder- und Bogenschiessen für Mitglieder und Interessierte. Treffpunkt an der Schneckenfels-Hütte um 10 Uhr.
Mittags Hüttenpflege
21. Juni 2009: Museumsfest des Urgeschichtlichen Museums BlaubeurenUm 11 Uhr Eröffnung der Sonderausstellung "Brandheiß - Spiel mit dem Feuer"
Pfingsten, 25. -30. Mai: Jahres-Exkursion nach Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-VorpommernGfU-Jahresexkursion 2009 vom 25.05. bis 30.05.2009
Tag Uhrzeit Ort
Mo., 25.05. 06:00 Blaubeuren-Gerhausen Fahrtbeginn
09:00 Erlangen, Uni Erlangen Sammlung Ur- u. Frühgeschichte
11:00 Weiterfahrt
15:00 Herzberg-Scharzfeld Einhornhöhle (u.a. Neandertaler)
16:00 Weiterfahrt
16:15 Herzberg-Scharzfeld Steinkirche (u.a. Magdalénien)
17:00 Weiterfahrt
18:30 Wolfenbüttel (Goslar?) Quartier
Di. 26.05. 09:00 Wolfenbüttel Museum Ur- u. Frühgeschichte
10:30 Weiterfahrt
11:00 Salzgitter Museum Schloß Salder
12:00 Salzgitter Eiszeitgarten (Schloßpark)
13:00 Salzgitter Freie Zeit (Einklauf, Mittagessen)
14:30 Weiterfahrt
15:00 Braunschweig Museum, Ur- u. Frühgeschichte
16:30 Braunschweig Freie Zeit
18:00 Weiterfahrt
18:30 Wolfenbüttel (Goslar?) Quartier
Mi., 27.05. 08:45 Abfahrt
09:30 Schöningen Heimatmuseum Schöningen
Schöningen Infozentrum Schöningen
Schöningen Grabungsbesuch
Schöningen Mittagessen/Picknick/Einkauf
12:00 Weiterfahrt
13:30 Hannover LDA-Rest.werkstatt, Orig.-Speere
15:00 Weiterfahrt
19:00 Schwerin Quartier
Do., 28.05. 08:00 Abfahrt
08:30 Lübstorf LDA, Funde Tollense
10:00 Weiterfahrt
12:30 Altentreptow Fundstelle Tollense
15:00 Weiterfahrt
15:30 Neubrandenburg Regio.-museum, Ur- u. Frühgesch.
17:00 Weiterfahrt
20:00 Potsdam Quartier
Fr., 29.05. 08:00 Abfahrt
10:00 Halle Landesmuseum
11:30 Weiterfahrt
12:30 Nebra Arche Nebra: - Mittagsessen ?
Nebra - Dauerausstellung
Nebra - Sonderaustellung
Nebra - Fundplatz Himmelsscheibe
Nebra - Planetarium
16:00 Weiterfahrt
17:00 Goseck Nachgebautes "Woodhenge"
("deutsches Stonehenge")
18:00 Weiterfahrt
19:00 Weimar Quartier
Sa., 30.05. 09:00 Weimar Museum Ur- u. Frühgeschichte
11:00 Weimar-Ehringsdorf Fundplatz Homo erectus
12:00 Weimar Freie Zeit (Einkauf, Essen)
13:30 Rückfahrt
18:30 Rückkehr Blaubeuren-Gerhausen
Rückblick auf 2008: Von der Altsteinzeit ins Mittelalter - Von Lilli ProxDie Jahresexkursion der GfU führte im Jahr 2008, unter der fachkundigen Leitung von Kurt Langguth, ins Salzkammergut, nach Niederöstereich und Wien. Vom Reiseleiter mit einer sehr informativen, ziemlich dicken Mappe ausgestattet, begaben sich die Teilnehmer auf eine Zeitreise von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter. Hier über alle Einzelheiten zu berichten würde den Rahmen des zur Verfügung stehenden Platzes sprengen. Aber einige Höhepunkte und Besonderheiten sollen doch beschrieben werden.
Einer davon war zweifellos die Fahrt nach Wien und der Besuch im Naturhistorischen Museum. Schon allein das Gebäude mit seinen aneinandergereihten hohen Sälen und seiner Kuppel beeindruckte uns. Im 19. Jahrhundert von Gottfried Semper und Karl Hasenauer erbaut, wurde es 1889 eröffnet um die 30 000 Exponate die Kaiser Franz Stephan – der Mann Maria Theresias – erstanden hatte, stilgerecht unter zu bringen. Heute besitzt das Museum 25 Millionen Objekte. Unser Mitglied Ulrich Simon hatte den Museumsbesuch organisiert. Mit Frau Prof. Dr. Teschler-Nicola ging es zunächst in die anthropologische Abteilung des Museums. Sie erläuterte den Befund aus dem Aurignacien in der Höhle von Mladec in Mähren , bestehend aus Schädelteilen, Kiefern , Zähnen und Langknochen von mindestens fünf menschlichen Homo sapiens sapiens-Individuen. In der Diskussion um die Frage der Ablösung des Neandertalers und die Ausbreitung des anatomisch modernen Menschen in Europa nehmen diese Funde eine Schlüsselposition ein. Die erst kürzlich erfolgte absolute Datierung weist das Ensemble mit 31.000 Jahren als einen der ältesten Funde des anantomisch modernen Menschen in Europa aus.
Mit 27.000 Jahren etwas jünger und aus dem Gravettien ist der sensationelle Fund des Kinder-Doppelgrabes vom Wachtberg in Krems, das 2005 geborgen wurde. Ein Film dokumentierte die sorgfältige Freilegung . Die beiden Neugeborenen waren fürsorglich in eine Mulde von 40 cm Durchmesser niedergelegt, mit Rötel bedeckt und mit einem bearbeiteten Mammutschulterblatt zugedeckt worden. Zusammen mit einer Kette als Grabbeilage lässt dies Rückschlüsse auf das Sozialverhalten der Menschen in der Jüngeren Altsteinzeit zu. Offensichtlich galten auch Kinder schon als vollwertige Mitglieder der Wildbeuter-Gesellschaft. Was dann kam, hätten wir in kühnen Träumen nicht zu hoffen gewagt. Frau Prof. Teschler-Nicola führte uns über einige Hintertreppen und Gänge in eines ihrer Arbeitszimmer, zog einen Wagen aus einer Ecke und deckte ihn auf. Und wir standen vor dem Original des kleinen Kindergrabes! Es rührte einen ganz seltsam an, dieses Zeugnis aus so lang vergangener Zeit direkt vor sich zu haben. Zum Abschluß durften wir dem Museum aufs Dach steigen. Hoch über den Dächern von Wien wurde uns ein Glas Sekt und eine optische Stadtführung kredenzt.
Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise waren die Begegnungen mit der Venus von Willendorf. Zum ersten Mal trafen wir auf ihre Spuren an ihrem Fundort in Willendorf und erfuhren dort die Geschichte ihrer Entdeckung. Bei Arbeiten für einen Bahndamm stieß man auf prähistorische Funde. Daraufhin begannen planmäßige Ausgrabungen . Im August 1908 fand ein Arbeiter in der oberen Kulturschicht der Fundstelle II im Beisein der Archäologen Josef Szombathy, Josef Bayer und Hugo Obermaier unter einer ungestörten Ascheschicht eine etwa 11 cm große Kalksteinfigur. Die „Venus von Willendorf“ hatte nach 25000 Jahren ihren Dornröschenschlaf beendet.
Zum zweiten Mal begegneten wir ihr im Naturhistorischen Museum in Wien. Frau Dr. Walpurga Antl-Weiser, Prähistorikerin und „Hüterin der Venus“ führte uns durch den „Steinzeitsaal“, wo man der Venus ein eigenes kleines Haus mit einer Vitrine aus Panzerglas errichtet hat. Das Original bekamen wir dort allerdings nicht zu sehen, da es zum 100- jährigen Jubiläum des Fundes nach St. Pölten ins Landesmuseum gereist war. Wir ließen uns dies aber nicht entgehen und besuchten sie dort am letzten Tag unserer Reise. Zu diesem Jubiläum hat Walpurga Antl-Weiser der Venus ein Buch gewidmet: „Die Frau von W.“
Für viele Diskussionen in unserem Kreis hat sie gesorgt. Wer hat sie geschaffen? War sie eine Göttin, ein Talismann, das Idealbild einer Frau? Josef Obermaier hat in seinem Tagebuch sehr realistisch vermerkt: „Schematisch-degenerierte Figur, (...) kein Gesicht, nur dick und feminin. Wohlstand, Fruchtbarkeit.“
Zumindest die Frage, ob es sich um eine Frau handelt stellte sich bei der Venus von Willendorf nicht. Dagegen wurde dies heftig diskutiert bei unseren Zusammentreffen mit der Fanny vom Galgenberg. Auch ihr sind wir drei mal begegnet. Dem Original in Wien im „Steinzeitsaal“, in St. Pölten im Landesmuseum bei der Ausstellung zum Venusjahr und an ihrem Fundort, dem Galgenberg bei Stratzing. Die kleine, 7,2 Zentimeter hohe Statuette wurde 1988 von Frau Dr. Christine Neugebauer-Maresch bei ihrer Grabung im Löss des Galgenberges gefunden. Wir trafen Frau Dr. Neugebauer Maresch in Stratzing und sie führte uns auf dem neu überarbeiteten Eiszeitwanderweg zur Fundstelle und erzählte begeistert und ausführlich über die Grabung und die Funde aus der Altsteinzeit. Man fand Steinwerkzeuge, Schmuck und Reste von verschiedenen Tierknochen. Besonders aufschlussreich sind die erhaltenen Spuren von Pfostenlöchern. Ihre Anordnung lässt auf einen überdachten Lagerplatz von 5 x 3 m Größe schließen. Daraus und aus der Fundstreuung kann man erkennen, dass sich eine Gruppe von Menschen über mehrere Wochen hier aufhielt. Wie Frau Dr. Maresch-Neugebauer berichtete, war man bei der Grabung in einer Schicht angekommen, in der kaum noch Funde auftraten, als auf einmal zwei ungewöhnliche Steine auftauchten, die gar nicht zu den übrigen Funden passten.. Ein weiteres Bruchstück kam gleich darauf zu Tage. Es war sofort klar, dass es sich um etwas Besonderes handelt. Weitere Stückchen kamen beim Ausschlämmen des Sediments dazu, bis schließlich diejenigen Teile vorlagen aus denen die Archäologin die „Fanny“ zusammen setzen konnte. Eine flache Halbplastik aus grünlichem Amphibolit-Schiefer die – da gibt es für Dr. Neugebauer-Maresch keinen Zweifel – eine weibliche Figur darstellt. Den Namen Fanny erhielt sie übrigens wegen ihrer besonderen Haltung nach der berühmten österreichischen Tänzerin Fanny Eißler.
Das sensationelle an diesem Fund ist die Einzigartigkeit. Er ist mit seinen etwa 32 000 Jahren das weltweit älteste steinerne Kunstwerk, das eine Menschenfigur darstellt. Die einzigen Parallelen aus diesem Zeitabschnitt sind der Adorant aus dem Geisenklösterle und der Löwenmensch aus dem Hohenstein-Stadel, die aber aus Mammut-Elfenbein hergestellt wurden.
Beeindruckend war auch der Besuch der Grabungsstelle auf dem Wachtberg in Krems. Grabungsleiter Magister Thomas Einwögerer, der beim Fund des Kindergrabes die Grabungsleitung hatte, begleitete uns. Hier, unter mehr als fünf Meter hohen Lössablagerungen, wurden in einer 8 bis 15 cm mächtigen Kulturschicht Tausende von Stein- und Knochenartefakte sowie -Abfälle gefunden. Sie belegen einen Unterstand mit Feuerstelle aus dem Gravettien vor rund 27.000 Jahren. Zudem wurden dort die bisher ältesten Teile von Tonfiguren gefunden. Auch ein Fragment eines gebrannten Tonstückchens mit dem Daumennagelabdruck eine Kindes sorgte für Aufsehen. Die Feuerstelle wurde im Block geborgen und wird nun in einem Container Zentimeter für Zentimeter abgetragen und dokumentiert. Das Kindergrab lag nur wenige Meter neben dem Unterstand.
Die Frage, warum hier so zahlreiche steinzeitliche Funde verzeichnet werden ist gleich beantwortet: Unter der meterhohen Löss-Schicht die in Tausenden von Jahren äolisch (vom Wind angeweht) entstanden ist, wurden die Hinterlassenschaften bestens konserviert.
Einen besonderen Genuss bescherte uns Thomas Einwögerer bei einer weiteren Führung. Nach dem Besuch der Fundstelle Langenlois erwartete uns an der Fundstelle Grubgraben ein Eiszeitorchester. 1994 wurde hier auf einem 19.000 Jahre alten Lagerplatz ein gelochtes Rentierschienbein gefunden. Bernadette Käfer hat in Rekonstruktionsversuchen die Funktion dieses Knochens als Flöte experimentell überprüft. Mit rekonstruierten Instrumenten die von der Flöte, über Horn, Trommel und Klangstäben aus Stein reichten, brachte sie und ihre Mitspieler uns ein „eiszeitliches“ Ständchen.
Bei den Kelten und im Salz waren wir in Hallein und Hallstatt. Das Museum in Hallein ist in der alten „Pfleg“ , dem ehemaligen Salinenverwaltungsgebäude untergebracht. Das 1654 erbaute Gebäude wurde 1970 sehr schön renoviert. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt bei den Ausgrabungsobjekten der keltischen Siedlungs- bzw. Werksanlagen und der Gräberfelder vom Dürrnberg . Während der Blütezeit des Bergbaues im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. wurden die Salzlagerstätten intensiv genutzt. Zwar war das Salz vom Dürrnberg nicht so rein wie das „weiße Gold“ aus Hallstatt. Trotzdem scheinen die damaligen Bewohner gut von seinem Abbau gelebt zu haben. Die schiffbare Salzach half, den Transport zu bewerkstelligen und Handelskontakte auszubauen. Den beachtlichen Rückfluss von Luxusgütern beweisen reich ausgestatte Gräber. Gefunden wurde neben vielen anderen Objekten auch Bernstein von der Ostsee und eine nach etruskischem Vorbild gefertigte Schnabelkanne.
Hallstatt war unser nächstes Ziel. Zum Gräberfeld, früher am Ausgang eines schwer zu erreichenden Hochtals gelegen, kamen wir ohne Anstrengung mit der Salzbergbahn.
Im Jahr 1846 erkannte der damalige Leiter des Salzbergwerkes, Johann Georg Ramsauer, den Friedhofcharakter des Geländes. Bis 1863 legte er 980 Gräber frei. Seine sehr genaue, zeichnerische Dokumentation der Funde ist für die heutige Auswertung von großem Vorteil. Das Hallstätter Gräberfeld ist eine der bedeutendsten Begräbnisstätten der Alten Welt. Durch das Salz hatten die Menschen das Kapital, sich Luxus leisten zu können. Die zahlreichen Grabbeigaben sind so repräsentativ , dass eine ganze Kulturepoche der europäischen Geschichte von 800 bis 400 v.Chr. danach benannt wurde - die „Hallstattzeit“.
Im Salzbergwerk bekamen wir von Studenten der Universität Wien eine Sonderführung und durften in den Stollen, in dem die aktuelle Grabung stattfindet. Salz wurde in Hallstadt schon seit dem 15. Jhd. v. Chr. abgebaut. Um 350 v. Chr. beendete eine gewaltige Murenkatastrophe, bei der das gesamte Hochtal verwüstet und alle Stollen und Schächte verfüllt wurden, die blühende Hochkultur im Salzbergtal. Heute räumen die Archäologen die Gänge im Bergwerk wieder frei. Durch die konservierende Wirkung des Salzes sind hier viele organische Funde aus Holz, Leder, Fell, Textilien und Gras in gutem Zustand erhalten. Neben Werkzeugen und massenhaft Resten von Kienspänen, die zur Beleuchtung benötigt wurden, fand man auch eine bronzezeitliche „Holzstiege“, mit den Maßen 8m in der Länge und 1,2 m innerer Breite. Die geniale Konstruktion dieser Leiter oder Stiege mit herausnehmbaren Sprossen ermöglichte es, sie zu transportieren und je nach Bedarf flacher oder steiler wieder zusammenzusetzen.
Bei einem Spaziergang durch Hallstatt wartete das Sportgeschäft Janu mit einer kleinen Überraschung auf. Die Geschäftsinhaber zeigen im Keller des Gebäudes Funde aus der Kelten- und Römerzeit sowie aus dem Mittelalter, die hier vor Jahren durch Zufall beim Hausum- und -ausbau entdeckt wurden. Auf kleinstem Raum, aber sehr gut und mit viel Engagement präsentiert. Das Welterbemuseum liegt direkt gegenüber. In 24 Schauräumen zeigt es eindrucksvoll seine Exponate. Geologie, Steinzeit, prähistorischer Salzbergbau, Hallstattkultur und Gräberfeld, die Kelten und die Römer sind nur einige der Themen die hier anschaulich vorgestellt werden. Leider reichte unsere Zeit nicht für alles.
Museen haben wir noch mehrere besucht und Interessantes und Lehrreiches geboten bekommen. Im Urzeitmuseum in Nussdorf begrüßte uns am Eingang ein lebensgroßes Mammut. Drinnen liegen in den Vitrinen Zeugnisse von der Steinzeit über die Bronze- bis zur Eisenzeit.
Eine überraschend umfangreiche Sammlung konnten wir im Krahuletz-Musem in Eggenburg bei einer Führung durch den Museumsleiter Dr. Johannes Tuzar bestaunen. Johann Krahuletz, 1848 – 1928, der Namensgeber des Museums, sammelte leidenschaftlich Erd- und urgeschichtliche Objekte, aber auch „altes Gerümpel“. Er trug alles zusammen was ihm irgendwie von Wert und alt erschien. Für seine Sammlung wurde ihm schließlich aus dem Ausland ein namhafter Betrag angeboten. Krahuletz verzichtete aber auf das Geld – obwohl er in bescheidenen Verhältnissen lebte – und vermachte alles der Stadt Eggenburg. Die Krahuletz-Gesellschaft wurde im Jahr 1900 gegründet und verwaltet noch heute das Museum. Erdgeschichte, Menschheitsgeschichte, Archäologie und Volkskunde werden mit vielen Exponaten veranschaulicht. Prachtstücke von Versteinerungen und Mineralien besitzt das Museum. An Abgüssen des Skeletts von „Lucy“, dem Schädel des „Nussknacker-menschen“ (Zinjanthropus) und eines Skeletts des Homo erectus kann die Entwicklung des Menschen nachvollzogen werden. In der Archäologie reichen die Funde von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter.
Im Freilichtmuseum Elsarn waren wir bei den Germanen, auf der Gozzoburg in Krems und auf der Burgruine Aggstein tauchten wir ins Mittelalter ein.
Aber auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Zum Abschluss gab es einen fröhlichen Abend bei Familie Mößlinger in Stratzing beim Heurigen, wo uns ein üppiges Vesper und einige gute Tropfen geboten wurden. Dass es uns geschmeckt hat, bewiesen die vielen gläsernen Reiseandenken die am nächsten Morgen vor der Heimfahrt eingeladen wurden.
Auf der Heimreise machten wir noch einmal einen Abstecher in die Steinzeit und besuchten das Naturkunde- und Mammut-Museum in Siegsdorf im Chiemgau. Hier wimmelt es nur so von riesigen Tieren. Das ausgestellte Siegsdorfer Mammut ist das größte und vollständigste Mammutskelett Europas. Man fand auch Knochen vom Riesenhirsch, Wollnashorn und Wisent. Das Glanzstück aber ist ein 47000 Jahre altes Skelett eines Höhlenlöwen, auf dessen Knochen Schnittspuren zu sehen sind. 250 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte und Grundlagen zur Geologie in Südostbayern werden gezeigt. In einer nachgebauten Höhle, für deren Wände man im Hohlen Felsen in Schelklingen Abdrücke genommen hat, wird der Besucher in die Steinzeit versetzt.
Im Hof steht eine Steinmühle in der aus heimischem Gestein wunderschöne Kugeln geschliffen werden. Die allerletzte Gelegenheit für den Einkauf eines Souvenirs.
Die Verfasserin bedankt sich bei Herrn Kurt Langguth für das Korrekturlesen des Exkursionsberichtes.
Abschiedsfest, 19. Oktober 13-17 UhrAbschiedsfest für die Dauerausstellung im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Bewirtung mit Kaffee und Kuchen durch die GfU.
Tag der Offenen Höhle am 7. September, ab 10 UhrWie immer auf der Wiese vor dem Geisenklösterle in Blaubeuren-Weiler.
Für Speis und Trank ist bestens gesorgt.
Führung durch die Ausgrabung in der Höhle.
Archäologische Vorführungen aus der Steinzeit.
4. Juli | 19 Uhr | Vortrag"Die jungsteinzeitlichen Waldleute vom Äschisee", von Prof. Dr. Hansjürgen Müller-Beck
Hüttenpflegetag am 19. Juli, 10 bis 17 UhrGemeinsame Pflegearbeit beim Schneckenfelshaus. Hilfsangebote bitte an Herrn Stich (07344-923811)
Museumsfest des Urgeschichtlichen Museums am 18.5.08Museumsfest 2008: Steinzeitliches Farbenfest
Im Rahmen des Internationalen Museumstag am 18. Mai 2008 feierte das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren von 13-17 Uhr ein steinzeitliches Farbenfest.
Inspiriert durch die farbenfrohen Bilder des zeitgenössischen Künstler Otmar Alt, die in der Sonderausstellung “Ganz Alt – ein Bilderbogen der Altseinzeit” zu sehen sind, waren die Besucher an diesem Tag eingeladen selbst zu Farbe und Pinsel zu greifen. Dieses Angebot wurde gerne von den großen und kleinen Gästen angenommen. Etwa 500 Besucher kamen an diesem Nachmittag zum Museumsfest.
Im Mittelpunkt des vielseitigen Programms stand das Thema Naturfarben. Mit selbst hergestellten Farben und Pinseln malten die Besucher “steinzeitliches” auf eine etwa 8x2 Meter große Riesenleinwand. Zwei Mitarbeiterinnen von der Farbmühle Kremer-Pigmente informierten nicht nur fachkundig über Farbstoffe und Techniken, sondern hatten auch Farben und Pinsel zum Malen mitgebracht .
Außerdem waren die großen und kleinen Besucher eingeladen aus Speckstein Tierfiguren zu fertigen und aus Leder und allerlei Naturmaterialien eine Maske zu basteln.
Führungen in der Sonderausstellung mit Bildern von Otmar Alt, der Galerie 40tausend Jahre Kunst und im Spital ergänzten das Programm und wurden von vielen Besuchern genutzt. Inspiriert durch die farbenprächtigen Bilder waren die Zuhörer nach den Führungen eingeladen, selbst kreativ zu werden. Mit Hilfe einer einfachen Drucktechnik konnten eigene Bilder umgesetzt werden.
Für das leibliche Wohl hatte die Gesellschaft für Urgeschichte bestens gesorgt. Die Feuerstelle unter den Kastanien war an diesem Tag in Betrieb und die Besucher konnten am Feuer Wildschweinwürstchen und Stockbrot braten. Außerdem wurde Kaffee, Kuchen und kalte Getränke verkauft. Tische und Stühle luden zum Verweilen ein, und die Besucher nahmen so Anteil an dem geschäftigen Treiben unter den Pavillons.
Dank der vielen engagierten Helfern und dem guten Wetter wurde es ein bunter, harmonischer und erlebnisreicher Tag.
» Direktlink: www.urmu.de
